Das paradoxe Mandat der Weltgesundheitsorganisation

Die WHO: in Krisen gehört, in Normalzeiten ignoriert [Foto: Markus Spiske/Unsplash]

Die WHO gibt derzeit in vielen Ländern den Ton an für die Strategie zur Eindämmung der Covid-19- Pandemie. Ihre Aufklärungskampagnen und Empfehlungen zum Umgang mit Covid-19 sind, wenngleich nicht unumstritten, doch weithin sichtbar und bestätigen eine ihrer Kernrollen: die der epidemiologischen Fachinstanz und Krisenberaterin, gerade in ressourcenschwächeren Ländern.

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Die WHO nach Corona: Verfügungsgewalten für die nächste Pandemie?

Das Hauptquartier der Weltgesundheitsorganisation in Genf [Copyright : WHO/Pierre Virot]

Anmerkung : Dieser Beitrag erschien zunächst auf verfassungsblog.de.

Hätte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch der mysteriösen Lungenerkrankung im chinesischen Wuhan schon im Dezember 2019 zum öffentlichen.  Gesundheitsnotstand von internationaler Dimension erklärt, wäre es womöglich nicht zu spät gewesen, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, die mittlerweile zum globalen Notfall ungekannten Ausmaßes herangewachsen ist. Doch angesichts des begrenzten Mandats und eingeschränkter politischer Autorität der WHO war dieses Szenario weit von der Realität entfernt. Tatsächlich haben Beschwichtigung und Applaus in Richtung China die Situation womöglich sogar verschärft. Die Corona-Krise hat die Lücken in der Governance globaler Infektionskrankheiten schonungslos offengelegt.

Das Repertoire der WHO an Notstandsmaßnahmen ist relativ eingeschränkt. Wie die meisten anderen internationalen Organisationen fehlen ihr Durchsetzungskapazitäten, wodurch ihre Autorität weitgehend von Anerkennung und freiwilliger Regelbefolgung durch die Mitgliedsstaaten abhängt. Zweifellos leistet die WHO im Rahmen der COVID-19-Pandemie wichtige Arbeit – die Führungsrolle, die sie in vergangenen Krisen oft innehatte, vermeidet sie momentan hingegen. Sollte die Organisation zur Bewältigung künftiger Krisen mit mehr operativer Macht ausgestattet werden?

Lesen Sie mehr über das gegenwärtige Dilemma der internationalen Gesundheitspolitik im englischsprachigen Beitrag hier.

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The WHO After Corona: Discretionary Powers for the Next Pandemic?

The WHO headquarters in Geneva, Switzerland [Copyright : WHO/Pierre Virot]

Note: This post was originally published on verfassungsblog.de.

Imagine the World Health Organization (WHO) had declared the outbreak of the mysterious lung ailment in the Chinese city of Wuhan a potential public health emergency of international concern already in late December 2019. Imagine it had immediately decreed a precautionary lockdown of the metropolitan area until the severity of the illness was assessed or the virus extinct. It might have been just in time to halt the spread of the disease which by now has become a supreme global emergency of unforeseen proportions.

Of course, this scenario was far from realistic given the WHO’s limited mandate and political authority. In reality, far from stopping the crisis dead in its tracks, its approach of appeasement and applause vis-à-vis China may have exacerbated the situation. The coronavirus crisis exposes deep gaps in the global governance of infectious diseases. Tragically, rectifying those problems would mean painful adaptations not only at the costs of national sovereignty, but also of democracy and constitutionalism.

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Ausnahme oder dauerhafte Ermächtigung? Zur Notstandspolitik internationaler Organisationen

Wie wird die WHO auf den Ausbruch von 2019-nCoV reagieren? [Foto: Getty Images]

Anmerkung: Eine erste Version dieses Artikels ist im Dezember 2019 auf E-IR erschienen. Der Autor dankt Hendrik Damerow für Unterstützung bei der Übersetzung aus dem Englischen.

In den letzten drei Jahrzehnten haben internationale Organisationen (IOs) erheblich an politischer Autorität hinzugewonnen. Gleichzeitig jedoch bleibt IO-Autorität in der Praxis stark eingeschränkt. In der täglichen Politik verhindern Meinungsverschiedenheiten zwischen mächtigen Staaten, rechtliche Hürden und allgemeine Souveränitätsbedenken nicht nur die Ausweitung von IO-Autorität, sondern behindern auch generell deren wirksame Ausübung.

In Zeiten globaler oder regionaler Krisen schaffen „Gelegenheitsfenster“ und politische Notwendigkeiten jedoch zuweilen Bedingungen, in denen „Autoritätssprünge“ auftreten können, wenn IOs selbstbewusst eingreifen und normalerweise geltende rechtliche oder politische Zwänge umgehen. Im Lichte außergewöhnlicher Umstände können IOs strukturell ähnlich agieren wie nationale Regierungen im Ausnahmezustand: Sie eignen sich Notstandsgewalten an, indem sie ihren exekutiven Ermessensspielraum ausdehnen und gleichsam in die Rechte der Regelungsadressaten eingreifen. So zumindest argumentiere ich in meinem neuen Buch Emergency Powers of International Organizations (EPIO).

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Ratchet or rollback? Explaining the consequences of IO emergency powers

How will the World Health Organization act in light of 2019-nCoV? [Shaadjutt/GettyImages]

Note: A first version of this article originally appeared in December 2019 on E-IR.

The past three decades have seen a considerable rise of political authority enjoyed by international organizations (IOs). At the same time, however, IO authority practically remains highly constrained. In everyday politics, disagreement among powerful states, legal hurdles, and general sovereignty concerns not only hinder discreet expansions of IO authority, but also impede its effective exercise more generally.

Yet, in times of global or regional crisis, windows of necessity and opportunity sometimes create conditions in which “leaps of authority” occur, as IOs intervene assertively in circumvention of legal or political constraints of normal times. Justified by exceptional circumstances, IOs may do something structurally very similar to what we know of national governments in the state of exception: they adopt emergency powers by expanding their executive discretion and interfering with the rights of their rule-addressees. This, at least, is what I argue in my new book Emergency Powers of International Organizations (EPIO).

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Ist globale Gesundheitsforschung wirklich global?

[fpdress/gettyimages]

Zur Jahrtausendwende besaß Frankreich nach Angaben der WHO eines der besten Gesundheitssysteme weltweit. Zwei Jahrzehnte später sieht das Land dem Verlust seiner Führungsrolle in der Gesundheitspolitik entgegen, wie sowohl die abnehmende Beteiligung französischer Experten in internationalen Einsatzfeldern als auch der wachsende Druck auf den nationalen Gesundheitssektor durch Personalmangel und Beschäftigtenstreiks zeigen. Diese Phänomene können nicht getrennt voneinander analysiert, sondern müssen als Teil derselben Entwicklung begriffen werden, wie Claire Galesne in ihrem neuen Blogpost schreibt. Zu lange hätten sich die Politik wie auch die Fachliteratur nur auf den Globalen Süden konzentriert und dabei entwickelte Industrienationen aus den Augen verloren, wo in den letzten Jahren Probleme wie Unterfinanzierung, regionale Unterschiede in der Lebenserwartung sowie ein Anstieg nichtübertragbarer Krankheiten eine zunehmende Belastung darstellen. Das Beispiel Frankreichs zeigt, dass Expert*innen gut darin beraten wären, sich in Ländern mit hohem Einkommen nicht nur um die öffentliche Gesundheitsversorgung zu fördern und sich in Niedriglohnländern nicht nur um Medikamentenpreise zu kümmern. Mehr dazu gibt es im gesamten Artikel auf Englisch hier.

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Is Global Health Research truly Global?

[fpdress/gettyimages]

At the turn of the millennium, France had the best healthcare system in the world, according to the World Health Organisation (WHO), and it became a Global Health leader by contributing to setting up and funding key Global Health initiatives, such as UNITAID and the Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria. Almost two decades later, the government faces an unprecedented strike in the emergency services, while experts worried about the decrease in French expertise and influence in Global Health. France’s health leadership thus seems to be challenged both at the national and international level. This parallel is quite striking because, traditionally, the Global Health literature is blind to health development in donors’ countries. Rather it studies primarily interventions by high-income countries in the Global South. In this blog post, I want to understand how these domestic and foreign health issues can be related through an analysis of the French case.

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Interview: Nitsan Chorev on the politics of global health

In this episode of our interview series, our host Luis Aue talks to Prof. Nitsan Chorev, Harmon Family Professor of Sociology and International and Public Affairs at Brown University.

Listen in, as Chorev gives insight into her research on pharmaceutical production in Africa and the politics of trade, development and foreign aid.

Find a short transcription of the interview below or listen to the full one here:

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