Zwischen Abenddämmerung und Morgenröte – eine Replik auf Frank Nullmeier

[Vincent van Zalinge/unsplash]

Dieser Text ist eine Antwort auf Frank Nullmeiers Buchbesprechung
“Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik”, erschienen
hier und hier.

Frank Nullmeier hat sich im Theorieblog kritisch mit meiner „Theory of Global Governance“ (TOGG) auseinandergesetzt. Über seine kluge Kritik freue ich mich und möchte im Gegenzug darauf reagieren.  Im besten Fall regt die Auseinandersetzung weitere Beiträge an. Frank Nullmeiers Beitrag beruht auf einer äußerst konzisen und fairen Zusammenfassung der Argumentation. Besonders schmeichelhaft ist es dabei, wenn er die Theoriekonstruktionsprinzipien von Jürgen Habermas‘ „Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus“ als Vergleichsfolie heranzieht. Schmeicheleien sind aber oft zweischneidig und so auch hier. Bei einem solchen Vergleich werden nämlich Defizite nur allzu gut sichtbar. Frank Nullmeier hebt in seiner Kritik v.a. drei Punkte hervor. Zum einen erweist sich der Anspruch von TOGG vor dem Habermasschen Hintergrund als geradezu bescheiden. Es handelt sich nur um eine Theorie des (globalen) politischen Systems und stellt keine Theorie der (kapitalistischen) Weltgesellschaft dar.  Dadurch – so der zentrale Kritikpunkt von Frank Nullmeier – würden aber andere gesellschaftliche Systeme und mithin gewaltbasierte und interessengeladene Macht- und Herrschaftsbeziehungen ausgeblendet. Zweitens werde der Begriff der Autorität überdehnt, indem er durch das Konzept der Aufforderungen (requests) weit gefasst wird. Politische Systeme arbeiten aber nach Easton und Nullmeier üblicherweise mit Anweisungen (commands). Und dann ist da auch noch die Eule der Minerva, die ihren Flug erst in der Dämmerung beginnt. Ich möchte in dieser Reaktion kurz auf diese drei wichtigen Kritikpunkte eingehen.

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Legitimacy Problems of the Global Governance System. Michael Zürn’s theory of global politics

In his post, which originally appeared on Theorieblog, Frank Nullmeier critically examines Michael Zürn’s “A theory of Global Governance”, published in 2018 by Oxford University Press. The “Global Governance System” (GGS), as proposed by Zürn, is based on the exertion of global authority primarily through international organizations, whose political and epistemic authority has grown substantially over the past thirty years, even though they only act within a certain policy area. The consequences are severe legitimacy problems of the GGS. Nullmeier analyses the theoretical implications of such a vantage point, arguing that focusing on normative integration of international organizations comes at the expense of questions of state power, violence, and economic struggles, which are regarded as exogenous. Read the full article in German here.

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Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik

Hinweis: Dieser Beitrag ist am 4. März 2019 zunächst auf theorieblog.de erschienen.

Mit seiner bei Oxford University Press publizierten Monographie „A Theory of Global Governance“ hat Michael Zürn nicht nur die Summe seiner Forschungen vorgelegt, sondern eine beeindruckende Theorie der globalen Politik auf der Basis der neuesten empirischen Forschung und bei genauer Kenntnis der Internationalen Politischen Theorie vorgelegt. Der entscheidende kreative Schritt liegt darin, das internationale politische Geschehen als ein eigenes politisches System, das „Global Governance System“ (GGS), zu verstehen.

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Hilfe! Ich habe ‘backlash’-Schleudertrauma: hin zu einer progressiven Infragestellung

                                                                                                                                                                [Foto: Alex Radelich/unsplash]

Zur Beschreibung der momentanen politischen Lage hat sich ein Großteil der akademischen Welt auf den Begriff backlash (auf Deutsch in etwa Gegenreaktion oder Rückwirkung) eingeschossen. Er beschreibt im Englischen eine starke negative Reaktion auf soziale oder politische Entwicklungen, oft verbunden mit einer Idealisierung der Vergangenheit und der Rückforderung verloren geglaubter Privilegien. Allerdings ist der Begriff irreführend: zunächst verkennt er die Heterogenität der Strömungen, die die gegenwärtige liberale Weltordnung in Frage stellen. Klarerweise existieren reaktionäre Kräfte, die Pluralismus untergraben und Freiheitsrechte aushöhlen wollen. Doch dies verstellt oftmals den Blick dafür, dass es auch marginalisierte Gruppen gibt, die gegen die momentane Ordnung aufbegehren, weil diese ihren eigenen Versprechen nicht gerecht wird. Darüber hinaus stellt der backlash-Begriff aber auch eine implizite Verteidigung des Status Quo dar. Die Betonung freier Märkte und individueller Autonomie erscheint somit als unumstößlich; der Blick für Alternativen jenseits des liberalen Paradigmas geht verloren.

Robert Benson lotet in seinem neuen Blogpost die Grenzen und Möglichkeiten des backlash-Konzepts aus und entwirft neue Perspektiven auf ein globales Phänomen. Lesen Sie den vollständigen englischsprachigen Artikel hier.

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Das Ende der Liberalen Ordnung wie wir sie kennen?

Erleben wir derzeit das Ende der Liberalen Ordnung, wie wir sie kennen? Zwei wichtige neue Publikationen zu dieser drängenden Frage wurden kürzlich bei einer WZB-Veranstaltung präsentiert und diskutiert.

Eine vollständige Video-Aufzeichnung in englischer Sprache sowie weitere Informationen zur Diskussion mit Michael Zürn, Direktor am WZB sowie Jan Zielonka, Professor an der Universität Oxford, finden Sie hier.

 

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