Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik

Hinweis: Dieser Beitrag ist am 4. März 2019 zunächst auf theorieblog.de erschienen.

Mit seiner bei Oxford University Press publizierten Monographie „A Theory of Global Governance“ hat Michael Zürn nicht nur die Summe seiner Forschungen vorgelegt, sondern eine beeindruckende Theorie der globalen Politik auf der Basis der neuesten empirischen Forschung und bei genauer Kenntnis der Internationalen Politischen Theorie vorgelegt. Der entscheidende kreative Schritt liegt darin, das internationale politische Geschehen als ein eigenes politisches System, das „Global Governance System“ (GGS), zu verstehen.

Der Systembegriff ist hier nicht bloß analytisches Instrument. Das GGS gibt es. Es ist eine politische Einheit, die keinen staatsartigen Charakter besitzt, aber auf fest eingelebten normativen Prinzipien und der Ausübung von globaler Autorität vorrangig durch internationale Organisationen (IOs) beruht. Die politische und epistemische Autorität der IOs ist in den letzten dreißig Jahren massiv gewachsen, aber immer nur sektoral angelegt, auf einen Politikbereich bezogen. So bilden die Träger des GGS nur ein Netzwerk lose miteinander verkoppelter Institutionen. Erhebliche Legitimationsprobleme sind die Folge. Während früher IOs öffentlich fast unbemerkt agieren konnten, kommt es nun zu einer wachsenden globalen Thematisierung und Politisierung. Auf die kritischen Debatten und Proteste, aber auch die positiven Bezugnahmen auf globale Normen reagieren wiederum die internationalen Organisationen. Im Ergebnis dieser Kämpfe um Legitimität entscheidet sich, ob das GGS sich vertiefen kann oder einen Niedergang erlebt.

Es sind mithin Legitimationsprobleme, die im Zentrum von Zürns Theorie stehen. Das könnte es rechtfertigen, die Unterschiede zu der bekanntesten Legitimationstheorie herauszuarbeiten, Jürgen Habermas‘ „Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus” : Anders als Habermas spitzt Zürn seine Theorie nicht auf einen Krisenbefund zu, ohne eine Krise auch in naher Zukunft auszuschließen. Er will keinen Schwellenwert der Krisenhaftigkeit bestimmen und entfaltet in normativer Perspektive eine Anti-Krisentheorie, die auf eine Vertiefung des bestehenden Systems internationaler Koordination hofft. Im Unterschied zu Habermas werden Effektivitätsprobleme politischen Handelns nicht als Gegenstück zu Legitimationsproblemen betrachtet, sie gehen vielmehr in Legitimationsfragen auf. Was immer an ungelösten Fragen militärischer Sicherheit, klimatischer Entwicklung, wirtschaftlicher Konjunktur oder sozialer Ungleichheit auftritt, wird allein als Legitimationsproblem relevant. Und es gibt einen dritten, theoriearchitektonischen Unterschied: Zürn lässt die Probleme nicht an der Grenze und im Austausch zwischen den Funktionssystemen entstehen: Legitimationsprobleme sind bei ihm eine rein endogene Größe, Konflikte um die Legitimität der IOs sind innere Abläufe im globalen politischen System.

Michael Zürn geht zwar von einer Theorie funktionaler Differenzierung aus, betrachtet aber keine Systeme jenseits des GGS: keine nationalen politischen Systeme und auch keine ökonomischen und kulturellen Funktionssysteme. Entsprechend tauchen Austauschbeziehungen zwischen Systemen nicht auf. So gibt es zwar ein Vorher des GGS (System des Westfälischen Frieden bis 1945, „embedded liberalism“ bis 1990) und ein Nachher – Zürn arbeitet hier sehr genau heraus, warum dies am ehesten ein System des „cosmopolitan pluralism“ sein kann – aber kein in sich strukturiertes Außen. Alle Dynamik muss als innere Entwicklung konstruiert werden: als Autoritätszuwachs, Politisierung und De- bzw. Relegitimation. Die Kehrseite dieser Grundentscheidung, liegt darin, dass alles, was nicht Teil des GGS ist, nur als „external force“, also als Wirkkraft von außerhalb des GGS, erscheinen kann. Dazu zählen auch zwei Ereignisse, die man eher als Kernelemente eines internationalen Systems ansehen würde: das Ende des Zweiten Weltkrieges und der Untergang der Sowjetunion. Krieg und Kalter Krieg stehen begrifflich außerhalb dessen, was analysiert wird. Damit ist die Theorie des GGS vielleicht doch eine Teiltheorie; sie bezeichnet nur einen Ausschnitt dessen, was wir als internationale Beziehungen und globale Politik ansehen würden.

Die Entscheidung für eine solche Theoriearchitektur beruht auf der Geschichte der Internationalen Beziehungen als politikwissenschaftlicher Teildisziplin. Das Konstrukt eines globalen politischen Systems richtet sich unmittelbar gegen den (Neo-)Realismus mit seinem Bild einer anarchischen Struktur der allein von Staaten dominierten Welt, die keine politische Instanz oberhalb der Staaten mit der Fähigkeit zu kollektiv verbindlichem Entscheiden kennt. Es gibt wahrlich gute Gründe, sich, angesichts der aktuellen Angriffe auf den Multilateralismus und der nationalistischen Bestrebungen, der sich anbahnenden Wiederkehr des Realismus als dominierender Theorierichtung mit einem eigenen konzisen Entwurf entgegenzustellen. Und es ist zutreffend, dass das erreichte Ausmaß an internationaler Kooperation, transnationaler Zivilgesellschaft und globalen Normen nicht mehr mit Bezug auf eine reine Staatenwelt erklärt werden kann.

Aber auch wenn die realistischen Kernvorstellungen verfehlt sind, muss man noch nicht in einem reinen Universum von normativen Prinzipien, institutionellen Autoritäten, Legitimationen, Norminterpretationen und Normbefolgungen landen. Zwar hat Zürn mit der jüngeren Forschung und ihrer Betonung von „contestation“, der Umstrittenheit von Normen, eine konflikttheoretische Wende vollzogen und die Kämpfe um Legitimität ins Zentrum gestellt. Doch damit ist noch nicht erfasst, welche Eigeninteressen von Staaten, NGOs, Unternehmen und Koalitionen zwischen diesen in den globalen Politikprozess eingebracht wird. Der Versuch, das realistische Theoriemodell zu überwinden und eine kohärente Alternative zu entfalten, bleibt aufgrund strikter Oppositionsbildung noch an das alte Modell gebunden. Aus der gewachsenen Rolle von internationalen Normen und Institutionen zu schließen, dass das internationale oder globale System als ein normativ integriertes System (durchaus mit Normkonflikten) zu verstehen sei, scheint an den Rand zu rücken, dass das globale System auch ein gewaltbasiertes und interessengeladenes Herrschaftssystem ist.

Dass ein globales politisches System existiert und nicht mehr allein die Anarchie der Staaten, bedeutet ja nicht, dass das Gegeneinander der Staaten innerhalb des neuen Feldes internationaler Institutionen nicht weitergehen würde, das globale Geschehen daher als komplexes Konfliktgeschehen aus IOs, NGOs, Staaten und transnationalen Unternehmen beschrieben werden kann. Die Stoßrichtung gegen den Realismus mag eine normativitätszentrierte Theorieanlage nahelegen, deren Fallstricke aber an der soziologischen Theorie von Talcott Parsons und John W. Meyers Weltgesellschaftsmodell deutlich geworden sind: Das Funktionieren moderner Gesellschaften ist nicht allein auf der Basis normativer Integration zu verstehen, zudem werden in einer solchen Theorieanlage die Machtstrukturen und Asymmetrien zwischen den beteiligten Akteuren unsichtbar gemacht.

Zudem ist die reale Entwicklung des GGS auch noch deutlich entfernt von dem, was man üblicherweise als Voraussetzung von politischen Systemen als Herrschaftssystemen erwarten würde. Wo Weber von Befehl und Gehorsam als Definitionselementen von Herrschaft spricht, wir würden heute vielleicht von Weisung und Befolgung sprechen, muss Zürn einen sehr weiten Autoritätsbegriffs nutzen und neben „commands“ vor allem „requests“ als wesentlichen Ausdruck des GGS einführen. „Request“ kann mit Verlangen, Aufforderung aber auch mit Ersuchen oder Ansinnen übersetzt werden: Es ist in jedem Fall eine Überdehnung von Begrifflichkeiten, dringende Bitten von „politically assigned epistemic authorities“, die auf der Basis von Daten und Datenanalyse politische Folgen erzeugen können (PISA-Studien der OECD), mit Herrschaft im Weberschen Sinne oder der Bildung politischer Systeme im Sinne David Eastons zu identifizieren.

So ist eine in ihrer Konzentration auf normative Integration, Legitimation sowie IOs höchst konsequente und in sich brillante Theorie der Weltpolitik entstanden. Theoretisch vermag allerdings die Externalisierung all dessen, was staatliche Machtpolitik, Gewalt und Krieg ausmacht oder ökonomische Kämpfe betrifft, nicht zu überzeugen. Und angesichts der gegenüber den frühen 2000ern doch stark veränderten Weltsituation fühlt man sich bei Zürns Theorie an Hegels Eule der Minerva erinnert, die ihren Flug erst mit der einbrechenden Dämmerung beginnt.

Frank Nullmeier ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen, Sprecher des SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik und Mitglied des Sonderforschungsbereichs „Globale Dynamiken von Sozialpolitik“. Er ist Mitherausgeber des „Oxford Handbook of Transformations of the State“ und beschäftigt sich u.a. mit Fragen globaler politischer Theorie und Gesellschaftstheorie. Zu letzterem Themenschwerpunkt ist erschienen „Globale Gesellschaftstheorie. Politische Theorie und ihre gesellschaftstheoretischen Bezüge“ (in: Kreide/Niederberger 2015).

Share this:

Hilfe! Ich habe ‘backlash’-Schleudertrauma: hin zu einer progressiven Infragestellung

                                                                                                                                                                [Foto: Alex Radelich/unsplash]

Zur Beschreibung der momentanen politischen Lage hat sich ein Großteil der akademischen Welt auf den Begriff backlash (auf Deutsch in etwa Gegenreaktion oder Rückwirkung) eingeschossen. Er beschreibt im Englischen eine starke negative Reaktion auf soziale oder politische Entwicklungen, oft verbunden mit einer Idealisierung der Vergangenheit und der Rückforderung verloren geglaubter Privilegien. Allerdings ist der Begriff irreführend: zunächst verkennt er die Heterogenität der Strömungen, die die gegenwärtige liberale Weltordnung in Frage stellen. Klarerweise existieren reaktionäre Kräfte, die Pluralismus untergraben und Freiheitsrechte aushöhlen wollen. Doch dies verstellt oftmals den Blick dafür, dass es auch marginalisierte Gruppen gibt, die gegen die momentane Ordnung aufbegehren, weil diese ihren eigenen Versprechen nicht gerecht wird. Darüber hinaus stellt der backlash-Begriff aber auch eine implizite Verteidigung des Status Quo dar. Die Betonung freier Märkte und individueller Autonomie erscheint somit als unumstößlich; der Blick für Alternativen jenseits des liberalen Paradigmas geht verloren.

Robert Benson lotet in seinem neuen Blogpost die Grenzen und Möglichkeiten des backlash-Konzepts aus und entwirft neue Perspektiven auf ein globales Phänomen. Lesen Sie den vollständigen englischsprachigen Artikel hier.

Share this:

Zahnärztliche Therapeut*innen als Beispiel für periphere Innovation

                                                                                                                                                                  [Photo: Nhia Moua/unsplash]

Wo staatliche Gesundheitsversorgung nicht garantiert ist, muss das Bestehen einer Grundabdeckung anderweitig sichergestellt werden. Zahnärztliche Therapeut*innen in entlegenen Gegenden sind das Musterbeispiel für die Bereitstellung solcher Dienstleistungen. Was in den 1920er Jahren in Neuseeland begann, findet sich mittlerweile in über 53 Ländern von Australien bis Simbabwe. Doch nicht nur das – die weltweite Verbreitung dieses Berufsfeldes zeigt überdies die erstaunliche Dynamik peripherer Diffusion in einer globalisierten Welt. In gängigen (Imperialismus-) Theorien wird Diffusion normalerweise als Prozess verstanden, der die globalen Machtzentren miteinander verbindet. Die Bewegung der zahnärztlichen Therapeut*innen zeigt allerdings, dass die Verbreitung von Wissen auch entlang der Ränder geschieht und diese vernetzt. In den USA begannen die ersten sechs Dentaltherapeut*innen ihre Arbeit 2004 in Alaska. Mittlerweile gibt es hierzu Gesetzesinitiativen in 10 weiteren Bundesstaaten, und Praktizierende treffen sich regelmäßig auf Konferenzen, um neue Kooperationsplattformen zu schaffen. Ihre Aktivitäten werden durch zahlreiche Stiftungen gefördert, die sich auf die Finanzierung neuer Modelle der Gesundheitsfürsorge spezialisieren und oftmals für die Ausbildung der Therapeut*innen aufkommen. Warum dies klassischen Zahnarztverbänden ein Dorn im Auge ist und dieses relativ neue Berufsfeld ein zweischneidiges Schwert darstellt, können Sie auf Englisch in unserem neuen Blogpost von Luis Aue und Tine Hanrieder lesen.

Share this:

Kein ‘business as usual’: Die Rolle von Akademiker*innen im Zeitalter von Trump überdenken


                                                                                                                                                                  [Photo: Cole Keister/unsplash]

„Mein Haus brennt, und ich stelle die Möbel um!“ – dieses russische Sprichwort stehe exemplarisch für die gegenwärtige Krise der Sozialwissenschaften, argumentiert Robert Benson in seinem neuen Beitrag. In Zeiten von Neoautoritarismus in Gestalt von Trump und Bolsonaro, Repressionen gegen universitäre Einrichtungen im Herzen Europas und rechtsextremen Mobs auf den Straßen von Chemnitz seien Akademiker*innen mehr denn je in der Pflicht, sich zu Wort zu melden. Stattdessen dominierten nach wie vor elitäre Debatten innerhalb akademischer Zirkel, weit entfernt von allgemeiner öffentlicher Wahrnehmung. Doch wenn Wissenschaft weiterhin nach dem von Max Weber konstatierten Muster betrieben werde – berechnend, exakt und gefühllos, so spiegeln auch die resultierenden Debatten diese Haltung wider. Als Sozialwissenschftler*in hingegen habe man, frei nach Howard Becker, den Luxus moralischer Indifferenz aufgegeben. Daher plädiert Benson für ein Ende des Maulkorbs – es sei an der Zeit, den Elfenbeinturm zu verlassen und kollektiv die Stimme zu erheben.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Share this:

Interview: James Currey über Literatur aus Afrika

                                                                                     [Foto: Kuukuwa Manful/Africa Oxford Initiative]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo James Currey zu Gast, Mitbegründer des in Oxford ansässigen Verlages James Currey Publishers und neben dem nigerianischen Dichter Chinua Achebe einer der Köpfe hinter der 1962 entstandenen African Writers Series.

Im Interview spricht der Verleger über seine Anfänge im Geschäft, gegenwärtige Stimmen in der afrikanischen Literatur und warum er nicht daran denkt, bald aufzuhören.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Share this:

Forschung zu humanitären Angelegenheiten: Normative Fragen, Forschungslücken und methodologische Herausforderungen

[Photo: Dmitri Popov/unsplash]

In seinem neuen Blogbeitrag analysiert Sassan Gholiagha den Stellenwert von humanitären Angelegenheiten (humanitarian affairs) in den internationalen Beziehungen. Im Detail geht er drei Fragen nach: Welchen Stellenwert haben normative Erwägungen in der Forschung zu humanitären Angelegenheiten, und wie können Wissenschaftler*innen ihre eigene Position innerhalb dieser kritisch reflektieren; trotz Platz – und Zeitbeschränkungen?

Welche Forschungslücken existieren gegenwärtig? Hier spricht sich Gholiagha für eine (Rück-) Besinnung auf feministische und konstruktivistische Ansätze aus, die Individuen und ihre soziale Konstruktion durch bestimmte Diskurse in den Blick nehmen.

Und letztlich: welche methodischen Herangehensweisen sind geeignet, um der Vielfalt menschlicher Erfahrungen in den IB gerecht zu werden? Während nach Ansicht des Autors quantitative und qualitative Methoden gleichermaßen ihre Berechtigung haben, liefert er dennoch Gründe dafür, warum zu Datenpunkten zusammengefasste Einzelakteure ihrer Stimme kaum Gehör verschaffen können.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Share this:

Interview: Sifiso Ndlovu über den Jugendaufstand in Soweto (II)

Hören Sie in unserer dieswöchigen Podcastfolge die zweite Hälfte von Lynda Iroulos Gespräch mit Prof. Dr. Sifiso Ndlovu, der 1976 an den Protesten gegen das unterdrückerische Apartheid-Regime beteiligt war.

Nachdem er in Teil 1 die Ereignisse beschrieb, die den Protesten vorausgingen, hören Sie Prof. Ndlovu in Teil 2 des Interviews über die Ereignisse des 16. Juli 1976, die weiteren Lebenswege der Protestierenden und seine Ratschläge an junge Menschen heutzutage sprechen.

Prof. Sifiso Ndlovu

Share this:

Interview: Sifiso Ndlovu über den Jugendaufstand in Soweto (I)

 

 

 

 

                                                                                                                                                                         [Foto: lubilub/gettyimages]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Prof. Dr. Sifiso Ndlovu zu Gast, Professor für Geschichte an der University of South Africa sowie Geschäftsführer des South African Democracy Education Trust.

In Teil I spricht Prof. Ndlovu über seine persönliche Perspektive auf den Aufstand im Juni 1976, die Rolle von Afrikaans im Schulunterricht und darüber, wie eine anfängliche Unzufriedenheit zu einem historischen Ereignis führte.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Prof. Sifiso Ndlovu

Share this:

Der wundersame Fall der (Beinahe-) Republik Nordmazedonien

Eine Statue Alexanders des Großen in Skopje [Foto: Robert Benson]
Am 30. September wurden die Einwohner*innen eines kleinen Staates an der Peripherie Europas zur Wahl gebeten, um darüber abzustimmen, ob Namen mehr sind als Schall und Rauch. Für die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien steht allerdings weit mehr auf dem Spiel als die von außen teils haarspalterisch anmutende Frage der Landesbezeichnung. Seit der Unabhängigkeit Mazedoniens im Jahr 1991 schwelt ein Konflikt mit dem Nachbarstaat Griechenland, dem eine Aneignung des Namens zur Benennung der geographisch-historischen Region Makedonien in Nordgriechenland vorgeworfen wird. Die Griechen bezichtigen Mazedonien ihrerseits, hellenisches Kulturgut für sich zu vereinnahmen – nicht zuletzt durch eine Vielzahl pompöser Monumente zu Ehren Alexanders des Großen in der Hauptstadt Skopje. An der Benennungspolitik entzündet sich jedoch gleichzeitig die Frage einer potenziellen Mitgliedschaft Mazedoniens in der NATO, die durch Griechenlands Veto seit Jahrzehnten blockiert wird. Obwohl 90% der im Referendum abgegebenen Stimmen zugunsten eines Ja zur Namensänderung ausfielen, ließ sich insgesamt weniger als ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung an die Urnen locken.

Was dies für den weiteren Verlauf der Verhandlungen mit Griechenland sowie die parlamentarische Ratifizierung des Abkommens bedeutet und welche Rolle Russland im geopolitischen Kräftespiel zukommt, erfahren Sie im neuen Beitrag von Robert Benson.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Share this:

Interview: Inken von Borzyskowski über Ausschluss und Austritt aus internationalen Organisationen

                                                                                                                                                                                 [Foto: WZB]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Inken von Borzyskowski zu Gast, Assistenzprofessorin für Politikwissenschaft an der Florida State University.

Im Interview spricht die Wissenschaftlerin über ihre Forschung zu Staaten, die internationale Organisationen verlassen, politisches backsliding sowie mögliche Lehren aus dem Brexit und der US-Politik unter Trump.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Share this: