‚Ihr habt nicht rechtzeitig gehandelt‘: Greta Thunberg und behavioural contestation

Schüler*innen auf einer ‘Fridays For Future’ – Demonstration im Berliner Invalidenpark [Mika Baumeister/unsplash]

„Nichts wird getan, um den klimatischen und ökologischen Zusammenbruch aufzuhalten oder auch nur zu verlangsamen, trotz der schönen Worte und Versprechen.“ Greta Thunbergs vernichtende Rede vor dem britischen Parlament letzten Monat verdeutlicht, dass Untätigkeit auf Seiten von Regierungen die größte Herausforderung für internationale Klimaabkommen darstellt. Die im Pariser Übereinkommen aufgestellten Normen werden allerdings nicht nur von Klimawandelleugnern und Kritiker*innen in Frage gestellt, sondern auch von Staaten wie dem Vereinigten Königreich. Diese legen häufig Lippenbekenntnisse ab, versagen allerdings darin, die vereinbarten Emissionsziele tatsächlich zu erreichen. Um diese Differenzen zu erfassen, unterscheiden Lea Wisken und Anette Stimmer in ihrem Blogpost zwischen diskursbasierter und verhaltensbasierter Infragestellung von Normen (discursive and behavioural contestation). Was dies in der Praxis bedeutet und welche Strategien staatliche und nichtstaatliche Akteure hierbei jeweils verfolgen, können Sie im kompletten englischsprachigen Beitrag hier lesen.

Share this:

Vom Meeresgrund zum Mond: Chinas Aufstieg und die künftige Kontrolle über die letzten Außengrenzen

[NASA/unsplash]

Fünfzig Jahre nach Neil Armstrongs ersten Schritten auf dem Mond gibt es erneut ein erstes Mal der Raumfahrtgeschichte: eine chinesische Sonde hat es geschafft, auf der Rückseite des Erdtrabanten zu landen. Doch was auf den ersten Blick wie ein Prestigeprojekt wirkt, das sogar NASA-Direktor Jim Bridenstine zur Gratulation via Twitter veranlasste, fügt sich ein in ein größeres Bild von Ambitionen auf lunare Ressourcen wie Wasser, seltene Erden oder die potenzielle Energiequelle Helium-3, die in den letzten Jahren die Vorstellungskraft von Regierungen und Privatunternehmen weltweit befeuert haben. Allerdings ist auch dieser jüngste Vorstoß Chinas lediglich Teil einer größeren Strategie, die die politische Führung des Landes verfolgt. Im Jahr 2015 identifizierte die Regierung die Polarregionen, die Tiefseeböden und den Weltraum als Chinas neue strategische Grenzen. Diese Gebiete eint, dass sie den globalen Gemeinschaftsgütern (global commons) zugerechnet werden, die nicht unter den Hoheitsbereich einzelner Staaten fallen, sondern allen offenstehen – zumindest theoretisch. Denn in der Praxis ist die Ausbeutung der dort befindlichen Ressourcen technologisch fortgeschrittenen Ländern vorbehalten, die imstande sind, ihren Einflussbereich weit über die eigenen Grenzen hinaus auszudehnen. Wie Chinas Rolle im Poker um die globale Ressourcenverteilung aussieht, können Sie im neuen Beitrag von Hendrik Schopmans lesen.

Share this:

Der „akademische Mainstream“ in den deutschen IB

[Alex Radelich/unsplash]

Angesichts seines Forschungsgegenstandes ist man versucht, das Feld der Internationalen Beziehungen (IB) als besonders kosmopolitisches und ökumenisches Wissenschaftsfeld einzustufen. Dass dies nur teilweise der Fall ist und die IB oft eher einer Ansammlung sich bekriegender Stämme ähneln, zeigt Matthew Stephen in seinem neuen Blogpost. Denkt man an den oder die idealtypische*n Wissenschaftler*in der Disziplin, so würde einem vielleicht jemand einfallen, der oder die sich mit formellen Institutionen, politischer Ökonomie oder Konflikten befasst, mit quantitativen Methoden arbeitet und in amerikanischen Journals veröffentlicht. Wirft man einen Blick auf die IB in Deutschland, so wird aber schnell klar, dass diese Vergleichsfolie der Realität nicht standhält. Warum dies der Fall ist und wie die deutschen IB im Vergleich zu den USA und Großbritannien abschneiden, erfahren Sie im kompletten englischen Beitrag hier.  

Share this:

Zwischen Abenddämmerung und Morgenröte – eine Replik auf Frank Nullmeier

[Vincent van Zalinge/unsplash]

Dieser Text ist eine Antwort auf Frank Nullmeiers Buchbesprechung
“Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik”, erschienen
hier und hier.

Frank Nullmeier hat sich im Theorieblog kritisch mit meiner „Theory of Global Governance“ (TOGG) auseinandergesetzt. Über seine kluge Kritik freue ich mich und möchte im Gegenzug darauf reagieren.  Im besten Fall regt die Auseinandersetzung weitere Beiträge an. Frank Nullmeiers Beitrag beruht auf einer äußerst konzisen und fairen Zusammenfassung der Argumentation. Besonders schmeichelhaft ist es dabei, wenn er die Theoriekonstruktionsprinzipien von Jürgen Habermas‘ „Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus“ als Vergleichsfolie heranzieht. Schmeicheleien sind aber oft zweischneidig und so auch hier. Bei einem solchen Vergleich werden nämlich Defizite nur allzu gut sichtbar. Frank Nullmeier hebt in seiner Kritik v.a. drei Punkte hervor. Zum einen erweist sich der Anspruch von TOGG vor dem Habermasschen Hintergrund als geradezu bescheiden. Es handelt sich nur um eine Theorie des (globalen) politischen Systems und stellt keine Theorie der (kapitalistischen) Weltgesellschaft dar.  Dadurch – so der zentrale Kritikpunkt von Frank Nullmeier – würden aber andere gesellschaftliche Systeme und mithin gewaltbasierte und interessengeladene Macht- und Herrschaftsbeziehungen ausgeblendet. Zweitens werde der Begriff der Autorität überdehnt, indem er durch das Konzept der Aufforderungen (requests) weit gefasst wird. Politische Systeme arbeiten aber nach Easton und Nullmeier üblicherweise mit Anweisungen (commands). Und dann ist da auch noch die Eule der Minerva, die ihren Flug erst in der Dämmerung beginnt. Ich möchte in dieser Reaktion kurz auf diese drei wichtigen Kritikpunkte eingehen.

Continue reading “Zwischen Abenddämmerung und Morgenröte – eine Replik auf Frank Nullmeier”

Share this:

Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik

Hinweis: Dieser Beitrag ist am 4. März 2019 zunächst auf theorieblog.de erschienen.

Mit seiner bei Oxford University Press publizierten Monographie „A Theory of Global Governance“ hat Michael Zürn nicht nur die Summe seiner Forschungen vorgelegt, sondern eine beeindruckende Theorie der globalen Politik auf der Basis der neuesten empirischen Forschung und bei genauer Kenntnis der Internationalen Politischen Theorie vorgelegt. Der entscheidende kreative Schritt liegt darin, das internationale politische Geschehen als ein eigenes politisches System, das „Global Governance System“ (GGS), zu verstehen.

Continue reading “Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik”
Share this:

Hilfe! Ich habe ‘backlash’-Schleudertrauma: hin zu einer progressiven Infragestellung

                                                                                                                                                                [Foto: Alex Radelich/unsplash]

Zur Beschreibung der momentanen politischen Lage hat sich ein Großteil der akademischen Welt auf den Begriff backlash (auf Deutsch in etwa Gegenreaktion oder Rückwirkung) eingeschossen. Er beschreibt im Englischen eine starke negative Reaktion auf soziale oder politische Entwicklungen, oft verbunden mit einer Idealisierung der Vergangenheit und der Rückforderung verloren geglaubter Privilegien. Allerdings ist der Begriff irreführend: zunächst verkennt er die Heterogenität der Strömungen, die die gegenwärtige liberale Weltordnung in Frage stellen. Klarerweise existieren reaktionäre Kräfte, die Pluralismus untergraben und Freiheitsrechte aushöhlen wollen. Doch dies verstellt oftmals den Blick dafür, dass es auch marginalisierte Gruppen gibt, die gegen die momentane Ordnung aufbegehren, weil diese ihren eigenen Versprechen nicht gerecht wird. Darüber hinaus stellt der backlash-Begriff aber auch eine implizite Verteidigung des Status Quo dar. Die Betonung freier Märkte und individueller Autonomie erscheint somit als unumstößlich; der Blick für Alternativen jenseits des liberalen Paradigmas geht verloren.

Robert Benson lotet in seinem neuen Blogpost die Grenzen und Möglichkeiten des backlash-Konzepts aus und entwirft neue Perspektiven auf ein globales Phänomen. Lesen Sie den vollständigen englischsprachigen Artikel hier.

Share this:

Zahnärztliche Therapeut*innen als Beispiel für periphere Innovation

                                                                                                                                                                  [Photo: Nhia Moua/unsplash]

Wo staatliche Gesundheitsversorgung nicht garantiert ist, muss das Bestehen einer Grundabdeckung anderweitig sichergestellt werden. Zahnärztliche Therapeut*innen in entlegenen Gegenden sind das Musterbeispiel für die Bereitstellung solcher Dienstleistungen. Was in den 1920er Jahren in Neuseeland begann, findet sich mittlerweile in über 53 Ländern von Australien bis Simbabwe. Doch nicht nur das – die weltweite Verbreitung dieses Berufsfeldes zeigt überdies die erstaunliche Dynamik peripherer Diffusion in einer globalisierten Welt. In gängigen (Imperialismus-) Theorien wird Diffusion normalerweise als Prozess verstanden, der die globalen Machtzentren miteinander verbindet. Die Bewegung der zahnärztlichen Therapeut*innen zeigt allerdings, dass die Verbreitung von Wissen auch entlang der Ränder geschieht und diese vernetzt. In den USA begannen die ersten sechs Dentaltherapeut*innen ihre Arbeit 2004 in Alaska. Mittlerweile gibt es hierzu Gesetzesinitiativen in 10 weiteren Bundesstaaten, und Praktizierende treffen sich regelmäßig auf Konferenzen, um neue Kooperationsplattformen zu schaffen. Ihre Aktivitäten werden durch zahlreiche Stiftungen gefördert, die sich auf die Finanzierung neuer Modelle der Gesundheitsfürsorge spezialisieren und oftmals für die Ausbildung der Therapeut*innen aufkommen. Warum dies klassischen Zahnarztverbänden ein Dorn im Auge ist und dieses relativ neue Berufsfeld ein zweischneidiges Schwert darstellt, können Sie auf Englisch in unserem neuen Blogpost von Luis Aue und Tine Hanrieder lesen.

Share this:

Kein ‘business as usual’: Die Rolle von Akademiker*innen im Zeitalter von Trump überdenken


                                                                                                                                                                  [Photo: Cole Keister/unsplash]

„Mein Haus brennt, und ich stelle die Möbel um!“ – dieses russische Sprichwort stehe exemplarisch für die gegenwärtige Krise der Sozialwissenschaften, argumentiert Robert Benson in seinem neuen Beitrag. In Zeiten von Neoautoritarismus in Gestalt von Trump und Bolsonaro, Repressionen gegen universitäre Einrichtungen im Herzen Europas und rechtsextremen Mobs auf den Straßen von Chemnitz seien Akademiker*innen mehr denn je in der Pflicht, sich zu Wort zu melden. Stattdessen dominierten nach wie vor elitäre Debatten innerhalb akademischer Zirkel, weit entfernt von allgemeiner öffentlicher Wahrnehmung. Doch wenn Wissenschaft weiterhin nach dem von Max Weber konstatierten Muster betrieben werde – berechnend, exakt und gefühllos, so spiegeln auch die resultierenden Debatten diese Haltung wider. Als Sozialwissenschftler*in hingegen habe man, frei nach Howard Becker, den Luxus moralischer Indifferenz aufgegeben. Daher plädiert Benson für ein Ende des Maulkorbs – es sei an der Zeit, den Elfenbeinturm zu verlassen und kollektiv die Stimme zu erheben.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Share this:

Interview: James Currey über Literatur aus Afrika

                                                                                     [Foto: Kuukuwa Manful/Africa Oxford Initiative]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo James Currey zu Gast, Mitbegründer des in Oxford ansässigen Verlages James Currey Publishers und neben dem nigerianischen Dichter Chinua Achebe einer der Köpfe hinter der 1962 entstandenen African Writers Series.

Im Interview spricht der Verleger über seine Anfänge im Geschäft, gegenwärtige Stimmen in der afrikanischen Literatur und warum er nicht daran denkt, bald aufzuhören.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Share this:

Forschung zu humanitären Angelegenheiten: Normative Fragen, Forschungslücken und methodologische Herausforderungen

[Photo: Dmitri Popov/unsplash]

In seinem neuen Blogbeitrag analysiert Sassan Gholiagha den Stellenwert von humanitären Angelegenheiten (humanitarian affairs) in den internationalen Beziehungen. Im Detail geht er drei Fragen nach: Welchen Stellenwert haben normative Erwägungen in der Forschung zu humanitären Angelegenheiten, und wie können Wissenschaftler*innen ihre eigene Position innerhalb dieser kritisch reflektieren; trotz Platz – und Zeitbeschränkungen?

Welche Forschungslücken existieren gegenwärtig? Hier spricht sich Gholiagha für eine (Rück-) Besinnung auf feministische und konstruktivistische Ansätze aus, die Individuen und ihre soziale Konstruktion durch bestimmte Diskurse in den Blick nehmen.

Und letztlich: welche methodischen Herangehensweisen sind geeignet, um der Vielfalt menschlicher Erfahrungen in den IB gerecht zu werden? Während nach Ansicht des Autors quantitative und qualitative Methoden gleichermaßen ihre Berechtigung haben, liefert er dennoch Gründe dafür, warum zu Datenpunkten zusammengefasste Einzelakteure ihrer Stimme kaum Gehör verschaffen können.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Share this: