Kein ‘business as usual’: Die Rolle von Akademiker*innen im Zeitalter von Trump überdenken


                                                                                                                                                                  [Photo: Cole Keister/unsplash]

„Mein Haus brennt, und ich stelle die Möbel um!“ – dieses russische Sprichwort stehe exemplarisch für die gegenwärtige Krise der Sozialwissenschaften, argumentiert Robert Benson in seinem neuen Beitrag. In Zeiten von Neoautoritarismus in Gestalt von Trump und Bolsonaro, Repressionen gegen universitäre Einrichtungen im Herzen Europas und rechtsextremen Mobs auf den Straßen von Chemnitz seien Akademiker*innen mehr denn je in der Pflicht, sich zu Wort zu melden. Stattdessen dominierten nach wie vor elitäre Debatten innerhalb akademischer Zirkel, weit entfernt von allgemeiner öffentlicher Wahrnehmung. Doch wenn Wissenschaft weiterhin nach dem von Max Weber konstatierten Muster betrieben werde – berechnend, exakt und gefühllos, so spiegeln auch die resultierenden Debatten diese Haltung wider. Als Sozialwissenschftler*in hingegen habe man, frei nach Howard Becker, den Luxus moralischer Indifferenz aufgegeben. Daher plädiert Benson für ein Ende des Maulkorbs – es sei an der Zeit, den Elfenbeinturm zu verlassen und kollektiv die Stimme zu erheben.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

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Interview: James Currey über Literatur aus Afrika

                                                                                     [Foto: Kuukuwa Manful/Africa Oxford Initiative]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo James Currey zu Gast, Mitbegründer des in Oxford ansässigen Verlages James Currey Publishers und neben dem nigerianischen Dichter Chinua Achebe einer der Köpfe hinter der 1962 entstandenen African Writers Series.

Im Interview spricht der Verleger über seine Anfänge im Geschäft, gegenwärtige Stimmen in der afrikanischen Literatur und warum er nicht daran denkt, bald aufzuhören.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

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Forschung zu humanitären Angelegenheiten: Normative Fragen, Forschungslücken und methodologische Herausforderungen

[Photo: Dmitri Popov/unsplash]

In seinem neuen Blogbeitrag analysiert Sassan Gholiagha den Stellenwert von humanitären Angelegenheiten (humanitarian affairs) in den internationalen Beziehungen. Im Detail geht er drei Fragen nach: Welchen Stellenwert haben normative Erwägungen in der Forschung zu humanitären Angelegenheiten, und wie können Wissenschaftler*innen ihre eigene Position innerhalb dieser kritisch reflektieren; trotz Platz – und Zeitbeschränkungen?

Welche Forschungslücken existieren gegenwärtig? Hier spricht sich Gholiagha für eine (Rück-) Besinnung auf feministische und konstruktivistische Ansätze aus, die Individuen und ihre soziale Konstruktion durch bestimmte Diskurse in den Blick nehmen.

Und letztlich: welche methodischen Herangehensweisen sind geeignet, um der Vielfalt menschlicher Erfahrungen in den IB gerecht zu werden? Während nach Ansicht des Autors quantitative und qualitative Methoden gleichermaßen ihre Berechtigung haben, liefert er dennoch Gründe dafür, warum zu Datenpunkten zusammengefasste Einzelakteure ihrer Stimme kaum Gehör verschaffen können.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

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Interview: Sifiso Ndlovu über den Jugendaufstand in Soweto (II)

Hören Sie in unserer dieswöchigen Podcastfolge die zweite Hälfte von Lynda Iroulos Gespräch mit Prof. Dr. Sifiso Ndlovu, der 1976 an den Protesten gegen das unterdrückerische Apartheid-Regime beteiligt war.

Nachdem er in Teil 1 die Ereignisse beschrieb, die den Protesten vorausgingen, hören Sie Prof. Ndlovu in Teil 2 des Interviews über die Ereignisse des 16. Juli 1976, die weiteren Lebenswege der Protestierenden und seine Ratschläge an junge Menschen heutzutage sprechen.

Prof. Sifiso Ndlovu

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Interview: Sifiso Ndlovu über den Jugendaufstand in Soweto (I)

 

 

 

 

                                                                                                                                                                         [Foto: lubilub/gettyimages]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Prof. Dr. Sifiso Ndlovu zu Gast, Professor für Geschichte an der University of South Africa sowie Geschäftsführer des South African Democracy Education Trust.

In Teil I spricht Prof. Ndlovu über seine persönliche Perspektive auf den Aufstand im Juni 1976, die Rolle von Afrikaans im Schulunterricht und darüber, wie eine anfängliche Unzufriedenheit zu einem historischen Ereignis führte.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Prof. Sifiso Ndlovu

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Der wundersame Fall der (Beinahe-) Republik Nordmazedonien

Eine Statue Alexanders des Großen in Skopje [Foto: Robert Benson]
Am 30. September wurden die Einwohner*innen eines kleinen Staates an der Peripherie Europas zur Wahl gebeten, um darüber abzustimmen, ob Namen mehr sind als Schall und Rauch. Für die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien steht allerdings weit mehr auf dem Spiel als die von außen teils haarspalterisch anmutende Frage der Landesbezeichnung. Seit der Unabhängigkeit Mazedoniens im Jahr 1991 schwelt ein Konflikt mit dem Nachbarstaat Griechenland, dem eine Aneignung des Namens zur Benennung der geographisch-historischen Region Makedonien in Nordgriechenland vorgeworfen wird. Die Griechen bezichtigen Mazedonien ihrerseits, hellenisches Kulturgut für sich zu vereinnahmen – nicht zuletzt durch eine Vielzahl pompöser Monumente zu Ehren Alexanders des Großen in der Hauptstadt Skopje. An der Benennungspolitik entzündet sich jedoch gleichzeitig die Frage einer potenziellen Mitgliedschaft Mazedoniens in der NATO, die durch Griechenlands Veto seit Jahrzehnten blockiert wird. Obwohl 90% der im Referendum abgegebenen Stimmen zugunsten eines Ja zur Namensänderung ausfielen, ließ sich insgesamt weniger als ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung an die Urnen locken.

Was dies für den weiteren Verlauf der Verhandlungen mit Griechenland sowie die parlamentarische Ratifizierung des Abkommens bedeutet und welche Rolle Russland im geopolitischen Kräftespiel zukommt, erfahren Sie im neuen Beitrag von Robert Benson.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

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Interview: Inken von Borzyskowski über Ausschluss und Austritt aus internationalen Organisationen

                                                                                                                                                                                 [Foto: WZB]

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Inken von Borzyskowski zu Gast, Assistenzprofessorin für Politikwissenschaft an der Florida State University.

Im Interview spricht die Wissenschaftlerin über ihre Forschung zu Staaten, die internationale Organisationen verlassen, politisches backsliding sowie mögliche Lehren aus dem Brexit und der US-Politik unter Trump.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

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Es ist Zeit für Behaviorale und Emotionale Theorien der Internationalen Beziehungen

Jelena Cupać macht sich in ihrem neuen Blogbeitrag Gedanken zu zwei aufkommenden Ansätzen in den Internationalen Beziehungen (IB) und plädiert für eine Zusammenführung der beiden Stränge in einem einheitlichen Forschungsprogramm.

Während behaviorale Theorien der IB ihren Ursprung hauptsächlich in der Verhaltensökonomik haben und Akteurspräferenzen, Entscheidungsstrukturen und Vorannahmen auf menschliche Prädispositionen zurückführen, so beschäftigen sich emotionale Theorien vor allem mit Fragen der Verortung von Emotionen und nutzen dazu Diskursanalyse und interpretative Methoden. Wenngleich die beiden Forschungsstränge aus unterschiedlichen Traditionen kommen und sich in Fragestellung und Methodik unterscheiden, so plädiert Cupać doch dafür, diese großteils künstliche Trennung zugunsten einer Vereinheitlichung aufzugeben. Somit würde anerkannt, dass Meinungen, Emotionen, Vorurteile und Entscheidungen alle aus einem komplexen Wechselspiel zwischen psychologischen und sozialen Faktoren entstehen. Nicht zuletzt führe dies auch zu wichtigen Konsequenzen für internationale Normen wie der Responsibility to Protect (R2P), wie Cupać in ihrem Beitrag aufzeigt.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

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Interview: John Boli über seine Karriere, methodologischen Individualismus und besseres Schreiben

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Prof.em. John Boli zu Gast, der vor seiner Emeritierung an der Emory University, Atlanta, Georgia lehrte.

Im Interview spricht der Soziologe über seinen akademischen Werdegang, gegenwärtige Herausforderungen im Fach und gibt jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Ratschläge zu Schreibprozess und Publikation der eigenen Arbeit.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

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Kein unbeschriebenes Blatt: Warum die Legitimität des UN-Sicherheitsrats nicht mehr die gleiche ist

In seinem neuen Blogbeitrag thematisiert Matthew Stephen das Legitimitätsproblem, mit dem sich internationale Organisationen und insbesondere der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) derzeit konfrontiert sehen. Stephens Kernargument bekräftigt die Berücksichtigung der Machtkonstellationen sowie der normativen Umstände zur Zeit der Schaffung der Institutionen, wolle man die heutigen Legitimitätsdefizite verstehen. Neben dem heute noch gültigen Mandat für Frieden und Sicherheit sowie der Repräsentanz der Interessen der VN-Mitglieder, habe es damalige Gründe für die Schaffung der VN gegeben, die heutzutage obsolet seien, so Stephen. Dazu gehörten der Kampf gegen Hitler und die institutionelle Stärkung der Großmächte, um diesen Kampf zu gewinnen. Aktuell beschäftige sich die VN vor allem mit Bürgerkriegen, Menschenrechten und humanitären Katastrophen und müsse sich dabei vor einer internationalen Gesellschaft rechtfertigen, die die institutionalisierte Bevorteilung der Großmächte zunehmend kritisch beobachte. Es habe ein Legitimationsdrift stattgefunden, dem sich die VN bisher nicht angepasst haben. Solange es keinen institutionellen Neuanfang gebe, so Stephen, werden die VN in Zukunft weiterhin unter dem Vorwurf des Legitimitätsdefizits arbeiten müssen und im Sicherheitsrat nur bei den wenigen Themen  entschlussfähig sein, bei denen die ständigen Mitglieder noch einer Meinung sind (z.B. internationaler Terrorismus).

Den gesamten englischsprachigen Artikel finden Sie hier

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