Es ist Zeit für Behaviorale und Emotionale Theorien der Internationalen Beziehungen

Jelena Cupać macht sich in ihrem neuen Blogbeitrag Gedanken zu zwei aufkommenden Ansätzen in den Internationalen Beziehungen (IB) und plädiert für eine Zusammenführung der beiden Stränge in einem einheitlichen Forschungsprogramm.

Während behaviorale Theorien der IB ihren Ursprung hauptsächlich in der Verhaltensökonomik haben und Akteurspräferenzen, Entscheidungsstrukturen und Vorannahmen auf menschliche Prädispositionen zurückführen, so beschäftigen sich emotionale Theorien vor allem mit Fragen der Verortung von Emotionen und nutzen dazu Diskursanalyse und interpretative Methoden. Wenngleich die beiden Forschungsstränge aus unterschiedlichen Traditionen kommen und sich in Fragestellung und Methodik unterscheiden, so plädiert Cupać doch dafür, diese großteils künstliche Trennung zugunsten einer Vereinheitlichung aufzugeben. Somit würde anerkannt, dass Meinungen, Emotionen, Vorurteile und Entscheidungen alle aus einem komplexen Wechselspiel zwischen psychologischen und sozialen Faktoren entstehen. Nicht zuletzt führe dies auch zu wichtigen Konsequenzen für internationale Normen wie der Responsibility to Protect (R2P), wie Cupać in ihrem Beitrag aufzeigt.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel finden Sie hier:

Interview: John Boli über seine Karriere, methodologischen Individualismus und besseres Schreiben

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Prof.em. John Boli zu Gast, der vor seiner Emeritierung an der Emory University, Atlanta, Georgia lehrte.

Im Interview spricht der Soziologe über seinen akademischen Werdegang, gegenwärtige Herausforderungen im Fach und gibt jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Ratschläge zu Schreibprozess und Publikation der eigenen Arbeit.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Kein unbeschriebenes Blatt: Warum die Legitimität des UN-Sicherheitsrats nicht mehr die gleiche ist

 

In seinem neuen Blogbeitrag thematisiert Matthew Stephen das Legitimitätsproblem, mit dem sich internationale Organisationen und insbesondere der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) derzeit konfrontiert sehen. Stephens Kernargument bekräftigt die Berücksichtigung der Machtkonstellationen sowie der normativen Umstände zur Zeit der Schaffung der Institutionen, wolle man die heutigen Legitimitätsdefizite verstehen. Neben des heute noch gültigen Mandats für Frieden und Sicherheit sowie der Repräsentierung der Interessen der VN-Mitglieder, habe es damalige Gründe für die Schaffung der VN gegeben, die heutzutage obsolet sein, so Stephen. Dazu gehörten der Kampf gegen Hitler und die institutionelle Stärkung der Großmächte, um diesen Kampf zu gewinnen. Aktuell beschäftige sich die VN vor allem mit Bürgerkriegen, Menschenrechten und humanitären Katastrophen und müsse sich dabei vor einer internationalen Gesellschaft rechtfertigen, die die institutionalisierte Bevorteilung der Großmächte zunehmend kritisch beobachte. Es habe ein Legitimationsdrift stattgefunden, dem sich die VN bisher nicht angepasst haben. Solange es keinen institutionellen Neuanfang gebe, so Stephen, werden die VN in Zukunft weiterhin unter dem Vorwurf des Legitimitätsdefizits arbeiten müssen und im Sicherheitsrat nur bei den wenigen Themen  entschlussfähig sein, bei denen die ständigen Mitglieder noch einer Meinung sind (z.B. internationaler Terrorismus).

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G-7 Gipfel: Einblicke in die Herausforderungen für den Zusammenhalt des Westens

 

 

 

David Hagebölling betrachtet den weithin als diplomatischen Fehlschlag bewerteten G-7 Gipfel in Kanada vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen des internationalen Staatensystems. Während die öffentliche Diskussion bisher insbesondere Auswirkungen der US-amerikanischen Außenpolitik unter Präsident Trump thematisiert, unterstreicht Hagebölling die Notwendigkeit komplementär auch längerfristige Faktoren zu analysieren. Er beschreibt zwei wesentliche Herausforderungen für den Zusammenhalt der westlichen Staatengemeinschaft in einem multipolaren internationalen System. Erstens erschweren die größere Zahl einflussreicher Akteure und deren vielschichtige Verteilungsinteressen die Kompromissfindung zwischen Staaten. Zweitens besteht eine fortwährende Wahrnehmung in Teilen der westlichen Bevölkerungen, dass sich infolge des Aufstiegs neuer Wirtschaftsmächte, insbesondere in Asien, die Vorteile einer liberalen internationalen Ordnung zunehmend relativieren. Hagebölling prognostiziert die Verschärfung einer bereits deutlich zu beobachtenden Entwicklung hin zu einer G-X Welt, gekennzeichnet durch eine Vielzahl sich teilweise überlappender Gruppen und Partnerschaften zwischen Staaten. Als Variable in diesem komplexen System von Interessenkonstellationen hat die G-7, nach Hageböllings Einschätzung, das Potential in Zukunft eine herausragende, jedoch weniger kalkulierbare Rolle zu spielen.

Den gesamten englischsprachigen Artikel finden Sie hier

 

Geschlechtergleichstellung, die Istanbul Konvention und politischer ‚Backlash‘

Image from Wikimedia Commons
Zagreb March 2018
Banner says “Stop Istanbul (Convention) for Sovereign Croatia

In Ihrem Blogbeitrag diskutiert Irem Ebetürk den jüngsten politischen ‚backlash‘ gegen die Istanbul Konvention des Europarats. Ursprünglich war die Tagung angesetzt worden, um ein Zeichen gegen Gewalt gegenüber Frauen zu setzten, jedoch entfaltete sich in den kommenden Wochen, laut Ebetürk, ein politischer Brandherd um den genauen Wortlaut der Konvention. So hatte diese flächendeckende Geschlechtergleichheit gefordert, was die bulgarische Orthodoxe Kirche als „moralischen Verfall“ betitelte. Im Februar 2018 beschloss daraufhin die bulgarische Regierung, das Abkommen nicht zu ratifizieren. Im März und April folgten sowohl die Slowakei als auch Kroatien Bulgariens Beispiel.  Im April sandte ein Zusammenschluss aus 333 zivilgesellschaftlichen Interessensverbänden einen Brief an den Europarat, der eine genaue Erläuterung des Begriffs „Geschlecht“ forderte. Darüber hinaus kritisierte das Schreiben die Konvention als „nicht konform mit traditionellen Familienwerten“. Diese Form von transnationalem Agieren von konservativen Interessensverbänden stellt für Ebetürk eine besondere Form des politischen Aktionismus dar. Da sich üblicherweise vor allem liberale zivilgesellschaftliche Verbände transnational formieren.

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Einzug mit Umbau: Chinas Aufstieg und die Zukunft internationaler Institutionen

[gmnicholas/gettyimages]

In ihrem neuen Blogbeitrag thematisiert Autorin Julia Fuss die möglichen Implikationen des Aufstiegs Chinas für die Institutionen des internationalen Systems. Sie sieht dabei zwei mögliche Zukunftsszenarien: Im ersten fügt sich China weiter in das bestehende und für das Land von Nutzen seiende Institutionengefüge ein, verändert es aber von innen heraus. Dies lässt sich bereits an dem Wirken Chinas in der WTO erkennen, in der das Land beginnt das durch den Rückzug der USA hinterlassende Vakuum zu füllen. Im zweiten Szenario baut China, sollte es ihnen nicht möglich sein das System von innen zu verändern, eine globale Ordnung auf, die parallel zu der aktuellen besteht. Dieser Trend lässt sich an der Schaffung der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank erkennen, welche in Zukunft durchaus in Konkurrenz mit der Weltbank treten könnte.

Fuss argumentiert, dass Chinas Strategie durchaus als ein Mix aus beiden Szenarien gesehen werden kann, sich die existierende institutionelle Struktur jedoch in naher Zukunft nicht ändern wird. Durch den Aufstieg Chinas sieht Fuss außerdem die EU in der Rolle, die liberalen Werte der Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu stärken.

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(Wie) sind transnationale Firmen verantwortlich für Menschenrechte?

In Ihrem Blogeintrag widmet sich Janne Mende dem normativ aufgeladenen Spannungsfeld zwischen globalen Firmen und Menschenrechtspraktiken. So laufen in etlichen Ländern weltweit juristische Verfahren gegen Unternehmen wie Rana Plaza, Shell, Nestlé, Daimler oder KiK für Menschenrechtsverletzungen. Auf internationaler Ebene jedoch, gibt es bisher keine Instanz die systematisch Menschenrechtsverstöße von global agierenden Firmen ahndet.

Dies lässt sich laut Mende mit einem ausgeprägten Dissens innerhalb von Wissenschaft und Politik erklären. Auf der einen Seite stehen dabei Befürworter wie der frühere UN-Sonderbeauftrage für Menschenrechte John Ruggie, die auf globaler Ebene nicht bindende Menschenrechtsinitiativen für Unternehmen fordern. Auf der anderen argumentieren häufig Befürworter für ein stärkeres Völkerrecht, dass global agierende Unternehmen im Einzelfall die Macht der Nationalstaates längst hinter sich gelassen haben und nur internationales Recht weitere systematische Menschenrechtsverletzungen verhindern kann. Für Mende liegt die Lösung in einem möglichen Hybridmodell.

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Interview: Celine Jacquemin über die Rolle von African Studies in den Internationalen Beziehungen

In dieser Episode unserer Interviewreihe hat Lynda Iroulo Prof. Celine Jacquemin zu Gast. Sie lehrt Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen an der St. Mary´s University in San Antonio, Texas.

Im Interview spricht Jacquemin darüber, was African Studies für sie bedeutet, wie man (nicht) über afrikanische Länder sprechen sollte und wie sie die künftige Bedeutung von African Studies für das Feld der Internationalen Beziehungen einschätzt.

Eine gekürzte, schriftliche Version des Interviews sowie das gesamte Interview als Audiodatei (beides auf Englisch) finden Sie hier.

Afrikas neue Freihandelszone: Schneller als erwartet?

[Photo by Joshua Earle on Unsplash]


Am 21. März 2018 unterzeichneten 44 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union einen Entwurf zur Schaffung der African Continental Free Trade Area (AfCFTA). Autorin
Lynda Iroulo greift diesen Beschluss in ihrem neuesten Blogbeitrag auf und erklärt, wie dieser zustande kam, was er beinhaltet und welche Auswirkungen ein afrikanischer Binnenmarkt sowie Zollunion auf die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents haben könnten.

Iroulo bewertet den Beschluss als grundsätzlich positiv, verweist jedoch darauf, dass es noch einige Hürden zu überwinden gibt, wie z.B. die Ratifikation durch die nationalen Parlamente. Darüber hinaus sieht Iroulo besonders vorhandene Korruption und fehlende Infrastruktur als Governance-Herausforderungen, mit denen sich die afrikanischen Länder auseinandersetzen müssen, bevor das Potential eines Binnenmarktes vollständig ausgeschöpft werden kann.

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Trumps Aufkündigung des Iran-Abkommens gefährdet die nukleare Nichtverbreitung

[gettyimages/ Amith Nag Photography]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In seinem neuen Blogbeitrag betrachtet Alexandros Tokhi die Entscheidung von Präsident Trump den Iran Deal unilateral aufzukündigen und argumentiert, dass dies erhebliche Gefahren für die weltweite Nichtverbreitung nuklearer Waffen mit sich bringen könnte.

Tokhi verfasst zunächst eine kurze chronologische Übersicht über die wichtigsten Geschehnisse von der Entdeckung des geheimen iranischen Nuklearprogramms im Jahre 2002 bis hin zur Unterzeichnung des Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) 2015. Anschließend betrachtet Tokhi die Dynamiken zwischen den autoritären Eliten im Iran und argumentiert, dass Präsident Trumps Entscheidung, den Iran wieder mit wirtschaftlichen Sanktionen zu belegen, moderaten Strömungen schaden könnte, da diese das wirtschaftliche Wachstum Irans als Argument gegen elitäre Hardliner und die Wiederaufnahme des iranischen Nuklearprogramms nutzen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in Englisch hier.