Kein unbeschriebenes Blatt: Warum die Legitimität des UN-Sicherheitsrats nicht mehr die gleiche ist

 

In seinem neuen Blogbeitrag thematisiert Matthew Stephen das Legitimitätsproblem, mit dem sich internationale Organisationen und insbesondere der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) derzeit konfrontiert sehen. Stephens Kernargument bekräftigt die Berücksichtigung der Machtkonstellationen sowie der normativen Umstände zur Zeit der Schaffung der Institutionen, wolle man die heutigen Legitimitätsdefizite verstehen. Neben des heute noch gültigen Mandats für Frieden und Sicherheit sowie der Repräsentierung der Interessen der VN-Mitglieder, habe es damalige Gründe für die Schaffung der VN gegeben, die heutzutage obsolet sein, so Stephen. Dazu gehörten der Kampf gegen Hitler und die institutionelle Stärkung der Großmächte, um diesen Kampf zu gewinnen. Aktuell beschäftige sich die VN vor allem mit Bürgerkriegen, Menschenrechten und humanitären Katastrophen und müsse sich dabei vor einer internationalen Gesellschaft rechtfertigen, die die institutionalisierte Bevorteilung der Großmächte zunehmend kritisch beobachte. Es habe ein Legitimationsdrift stattgefunden, dem sich die VN bisher nicht angepasst haben. Solange es keinen institutionellen Neuanfang gebe, so Stephen, werden die VN in Zukunft weiterhin unter dem Vorwurf des Legitimitätsdefizits arbeiten müssen und im Sicherheitsrat nur bei den wenigen Themen  entschlussfähig sein, bei denen die ständigen Mitglieder noch einer Meinung sind (z.B. internationaler Terrorismus).

Den gesamten englischsprachigen Artikel finden Sie hier

No Clean Slate: Why the legitimacy of the Security Council isn’t what it used to be

 

If you were to sit down and design a new international organization whose job it was to “maintain international peace and security,” and you came back with the design for the current United Nations Security Council, you would be handed your hat.

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Ist Robert Keohane gerade unbemerkt ein Neo-Gramscianer geworden?

In seinem Blogeintrag widmet sich Matthew Stephen der Frage, ob Robert Keohane kürzlich einen wissenschaftstheoretischen Wandel vollzogen hat. Keohane, der Anfang der 80er Jahre mit dem liberalen Institutionalismus eine neue Leseart der internationalen Beziehungen vorschlug, scheint seit den letzten US- Präsidentschaftswahlen (endlich) die Machtverhältnisse, Ungleichheiten und Risiken der Globalisierung zu berücksichtigen. Nach Stephen lässt dies Keohane beinahe als „neo-Gramscianer“ erscheinen.

Die komplette englischsprachige Version des Beitrags finden Sie hier.

Did Robert Keohane just become a neo-Gramscian and no-one noticed?

Thomas Cole – The Course of Empire Destruction (1836)

In a recent article in Foreign Affairs (‘The Liberal Order is Rigged’), Jeff Colgan and Robert Keohane have highlighted some shortcomings of the liberal international order. They point out that not everybody has been a winner from economic globalization, and they are worried about the emergence of ‘populism’ and the threat that this may pose to institutions such as the United Nations, European Union, World Trade Organization, and NATO.

Episodes of introspection and self-doubt amongst many scholars and policy makers have been common since Brexit and the election of Donald Trump. What is interesting about this one in particular is that it comes from one of the foremost scholars in the field of International Relations, who is in large part the originator of the liberal institutionalist approach to international politics.

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